Neueste Kommentare

Preisverleihung zum Anhören
Was ist das denn für eine Laudatio, ein richtiger Schimme
Preisverleihung zum Anhören
(...) ok, schimmelpfennig ist also so n total verrückter
Preisverleihung zum Anhören
Toller Service, als wäre man dabei gewesen. Danke!
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Lieber Nis-Momme Stockmann, es mag sein, dass meine Para
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Alle schimpfen und meckern die ganze Zeit. Ich versteh ni
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Sehr geehrter Christian Rakow: "Wenn sie hören, dass St
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Werter Ford Fiesta, eine "Philosophie ohne Modellbildung"
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Sehr geehrter Herr Rakow, bei einer kleinen Kleinigkeit
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Lieber Oliver Bukowski, mit dem Verweis auf Felicia Zell
Kommentar zur Jurydebatte
Chöre gehören also in die Kirche? Der Chor ist ja viellei

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. Drucken

Sieben Fragen an Nis-Momme Stockmann

Am Ende ist Zynismus bloße Legende oder eine Liebe ohne normative Regulierung

 

stockmann1. Geboren auf der nordfriesischen Insel Föhr; temporär auf dem Weg in Berufe wie Koch oder Tibet-Forscher – wie kommt man mit solch einer Vita dazu, Theaterautor zu werden?

Ich wurde aus einer Kanone geschossen und teilte fortan mein Heiligstes: Meine Verwirrung darüber, wie wir lieben, leben, wohnen und vor allen Dingen: wahrnehmen, erkennen und bezeichnen.

2. In Mülheim debütieren Sie mit "Kein Schiff wird kommen" und nicht mit ihrem mehrfach preisgekrönten Erstling "Der Mann der die Welt aß". Inwiefern ist Ihr jüngstes Stück die bessere Einladung?

Lesen Sie hier Nis-Momme Stockmanns Antwort – über Bewertungsmacht, die Aporien der Kritik und eine Dramaturgie der Zukunft.

3. Der Protagonist Ihres Stückes legt nahe, dass mit Themen wie "Terror, Islam, Nazis, Terror" künstlerisch kein Ertrag zu erzielen ist. Wieso taugt das Theater nicht mehr für einen gesellschaftspolitischen Anspruch?

Lesen Sie hier Nis-Momme Stockmanns Antwort – über die Zeit der großen Diskurse.

4. Die Kritiker haben spekuliert, wie viel Nis-Momme Stockmann in dem Protagonisten Ihres Stückes steckt. Wie viel ist es denn wirklich?

Es ist ganz und gar ich – denn ich hab das Stück geschrieben.

Und es hat überhaupt nichts von mir – denn ich hab das Stück geschrieben.

5. Der deutsche Theaterbetrieb kommt in "Kein Schiff wird kommen" nicht gut weg. Wie würde der ideale Arbeitszusammenhang für Sie aussehen?

Ich rede mit dem Regisseur, Arme und Beine schreien wildes egomanes Künstlergerede über die Größe meines Werkes in die Welt hinaus; ich bin am Ende ganz erschöpft, er muss mich halten – Aber, o: der Regisseur missversteht mich in allen Punkten und entwirft auf Basis der Ausbrüche meines eitlen Schnabels einen fantastischen Abend:

Die Singularität, die der Premierenabend darstellt – seine Mischung aus gesprochenem Text, der Sprache im Raum und des Arrangements des Publikums – entwirft eine Singularität, eine auf den Punkt gebrachte klirrend klare Sprache. Der Text spricht in zum Verrücktwerden genauen Bildern von der Bühne. Die Menschen erkennen, wie dumm erkennen ist; die Menschen sind entrückt berührt und erkalten in der Erkenntnis ihrer emotionalen Normativität; Wildfremde liegen sich in den Armen und küssen die Embleme auf den Programmheften; Zorn und Wut auf die dumme, dumme finanzmarktoptimierende, alle menschliche Regung funktionalisierende Welt. Am Ende ist Zynismus bloße Legende und der Weg freigemacht für Liebe ohne normative Regulierung.

"Tschüss dumme Zweisamkeit" schallt es aus dem chorgewordenen Publikum, das brandschatzend auf den Regierungssitz zufeiert.

Staunend steh ich in der Garderobe rum und sterbe vor Ort.
"Sterben ist ok" ist mein letzter Gedanke. Ich muss nichts mehr besitzen, nicht mal mein Leben.
Grabsteine braucht niemand mehr. Alle finden das albern.
Sein wird unwichtig – „werden“ jauchzt es aus den geöffneten Türen dieser Welt.
Die Künste sind entseucht. Mut zur Liebe wütet in den Rümpfen.

Leider werd ich das nie erleben, denn ich mach jetzt nen Haufen selbst und bin zu blöd für selbst noch die simpelsten inszenatorischen Fragestellungen.

6. Sie haben an der UdK Szenisches Schreiben studiert. Kann man Schreiben lernen?

Ja. Fast alle können das.

Bei mir: Erste Klasse, dänische Grundschule, Wyk/Föhr – eine Mischung aus liberalem skandinavischen Bildungssystem und noch nicht in seinem Geduldsvermögen von deutschen Arbeitshierarchien versautem Grundschullehrer. Das hiesige Bildungswesen ist allerdings per Anlage wirklich zum Abgewöhnen oder eher zum "nicht-beginnen-Wollen". Hut ab vor aus den nationalen Bildungsstrukturen hervorgegangenen Schreibenden, die Lust auf das professionelle Generieren von Text haben.

7. Mit welcher Figur aus der Literatur- oder Weltgeschichte würden Sie gern mal ein Bier trinken gehen?

Max Bircher-Benner – Pionier der Vollwertkost und Erfinder des Birchermüslis – hat genau wie ich keinen Alkohol getrunken. Vielleicht einen Bananensaft stattdessen. Der ist bloß tot jetzt. Wie ich und wir alle auch bald. Kann nicht länger als 100 Jahre dauern, dann gibt es uns nicht mehr und die Gesichter auf dieser Welt sind alle ausgetauscht. Ein tröstender Gedanke. Aber irgendwie auch unheimlich, irgendwann ist hoffentlich mal Schluss. Welterlösung nukleare Gesamtzerstörung?

Ansonsten trink ich gern Bier (meinerseits alkoholfrei) mit echten Menschen und nicht mit leeren Heroen-Ikonen für eine im Personenkult des humanistischen Erkenntnisdiktums retardierte Welt.


Mehr zu Nis-Momme Stockmann.

 

Kommentare (0)

Kommentar schreiben

kleiner | groesser

busy