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Sieben Fragen an Kathrin Röggla

Ich will Medien an ihre Grenzen treiben

roeggla1. Als gebürtige Österreicherin leben Sie seit nunmehr knapp zwei Jahrzehnten in Berlin. Wie macht es sich so im Land der "Piefkes"?

Eine Frage, die ich kaum beantworten kann, schließlich lebe ich seit knapp zwei Jahrzehnten hier. Meine Problematik ist, dass mir Österreich entgleitet, ich kapiere nicht mehr ganz, was in dem Land los ist. Rechtsradikale, bzw. ich korrigiere mich: Personen mit "einer Nähe zum nationalsozialistischen Gedankengut", treten die Wahl zum Bundespräsidentinnenamt an, 20% können sich eine autoritäre Staatsführung jenseits des Parlaments, sprich: eine Diktatur vorstellen. Letztens sagte mir einer: Ach, das wäre in Deutschland auch so, würde man eine Umfrage machen, aber man macht sie aus guten Gründen nicht. Das kann ich mir nicht vorstellen, aber wer weiß? Vermutlich glaubt man immer, Bescheid zu wissen über das Land, in dem man lebt, bis man eines Besseren belehrt wird.

2. Der Fall Natascha Kampusch ging wochenlang durch die Medien. Was macht diesen Stoff zu einem interessanten künstlerischen Gegenstand?

Wenn man sich für Pseudo-Expertentum, Katastrophensucht und moderne Hexenjagden interessiert, für die Bösartigkeit der Leute in Online-Foren, selbst jenen von sogenannten Qualitätszeitungen, und die Unfähigkeit unserer Gesellschaft, ein Opfer langfristig als Opfer zu sehen, findet man in den Reaktionen auf den Fall Kampusch einen Brennspiegel, der das alles zusammenführt.

3. Wieso ist gerade das alte Medium Theater geeignet, von den Wirkungsweisen der modernen Massenmedien zu erzählen?

Das "alte" Medium Theater kann vieles, weil es fähig ist, jede Menge unterschiedlicher medialer Situationen zu integrieren, vor allem sie in Spannung miteinander zu bringen. Und genau das interessiert mich. Dazu kommt: Es tritt ja nicht auf der Stelle und bleibt sich selber gleich, sondern verändert sich durch das mediale Umfeld seiner Zeit. Außerdem interessiert es mich, Medien an ihre Grenzen zu treiben, was heißt, dass ich gerne ein Spiel mit den Rezeptionsgewohnheiten des Publikums treibe, das nicht voluntaristisch ist, sondern im Zusammenhang mit dem Stoff entsteht – eben Dinge erfahrbar zu machen, die man gerade im Alltag unserer Wahrnehmung durch mediale Formate und Zurichtung des Stoffes verlorengehen, dessen Wirkung aber essentiell bestimmen.

4. Gegen den breiten grammatischen Trend halten Sie in "Die Beteiligten" den Konjunktiv hoch. Was leistet dieses Stilmittel in Ihrem Stück?

Jede Menge: Er stellt die Frage nach der Identifikation mit den Figuren, bringt in diesem Fall ein zentrales Ich ins Spiel, was es ja im Theater bekanntermaßen gar nicht geben kann, zudem zerreißt er die zeitliche und räumliche Vereinbarung, des Hier und Jetzt der theatralen Repräsentation, und schafft dadurch auch die Möglichkeit, die Frage nach persönlicher Erfahrung zu stellen, die uns heute im Zeitalter der absoluten Medienvermittlung und des allgemeinen Outsourcings so oft zu entgleiten scheint.

5. Die Figuren stehen nicht im unmittelbaren Kontakt mit der Entführten, um die ihr Reden kreist. Sie sitzen, wie es heißt, "in der zweiten Reihe". Muss man eigentlich
selbst viel zu dem Fall recherchiert haben, um ein solches Secondhand-Szenario aufzubauen, oder genügt das Sammeln der Schlagzeilen und Fernsehbilder?

Ich habe mich mit den Zuschauern beschäftigt, eben mit jener "zweiten Reihe", dadurch natürlich auch mit dem Fall, wie er in den Medien dargestellt wurde. Das war mein Thema mit einem wahrlich ausreichenden Recherchefundus.

6. Gibt es in Ihren Augen Stoffe, die auf dem Theater unmöglich funktionieren können?

Nein. Bzw. möglicherweise sehr komplexe und langwierige Vorgänge wie das Zustandekommen einer EU-Richtlinie. Aber vielleicht wäre gerade sowas eine interessante Herausforderung.

7. Mit welcher Figur aus der Literatur- oder Weltgeschichte würden Sie gern mal ein Bier trinken gehen?

Spontan? Mit Gertrude Stein. Aber wer weiß, wo das hinführte!

 

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