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Sieben Fragen an ...

Franz Wille

 

Franz Wille, Dr. phil, Berlin

Geboren 1960 in München. Studium der Theaterwissenschaften, Germanistik und Anglistik in München und Berlin. 1982–1986 Dramaturg am Theater der Freien Volksbühne in Berlin (Intendant Kurt Hübner). Seit 1990 Redakteur von "Theater heute". 2001–2004 Juror beim Berliner Theatertreffen.

1. Nis-Momme Stockmanns Protagonist attackiert den Theaterbetrieb: überall sei "Terror, Islam, Nazis, Terror", sprich "Bedeutsamkeit! Bedeutsamkeit!" gefordert. Es fehle am Gespür für das Gewöhnliche. Inwieweit stimmt seine Diagnose des Betriebs?

Falls die Diagnose von Stockmanns Protagonist stimmt, hätte Stockmanns Stück sie glänzend widerlegt.

2. Kathrin Rögglas "Die Beteiligten" seziert die Wirkungsweisen der Massenmedien anlässlich des Falles "Natascha Kampusch". Was macht den Transport dieses Stoffes ins alte Medium Theater spannend?

In diesem Fall: die Sprache.

3. Elfriede Jelineks Geldmarktstück "Kontrakte des Kaufmanns" wird seit seiner Uraufführung im April 2009 als Text der Stunde gefeiert. Wieso ist es das einzige Stück zur Finanzkrise auf dem Tableau der diesjährigen Mülheimer Theatertage?

Es ist das beste.

4. Mit Autoren wie Dea Loher setzt sich immer stärker das Erzählen auf der Bühne durch, der Dialog tritt zurück. Welche theatrale Leistungsfähigkeit besitzt die Episierung?

Geschichtenerzählen ist Sinnstiftung, weil Geschichten Bezüge herstellen zwischen Ereignissen und Handlungen. Und Dea Lohers "Diebe" erzählt von Figuren, deren Sinnentwürfe von ihren eigenen Geschichten immer wieder durchkreuzt werden.

5. Roland Schimmelpfennig setzt als Regisseur sein eigenes Stück "Der goldene Drache" um. Inwieweit erweisen sich die Regisseure der eingeladenen Uraufführungen als Co-Autoren der Stücke?

Regisseure sind Regisseure, und Autoren sind Autoren. Und wenn ein Autor zufällig auch Regisseur ist, bleiben die anderen doch, was sie sind.

6. Ewald Palmetshofer greift nach "hamlet ist tot" mit "faust hat hunger" zum zweiten Mal auf einen klassischen Stoff zurück. Wie viel literarisches Traditionsbewusstsein braucht es, um sich als moderner Autor durchzusetzen?

Jedes und keines.

7. Nis-Momme Stockmanns Protagonist scheitert an dem Stückauftrag, das ultimative Nach-Wende-Drama zu schreiben. Inwiefern ist es Dirk Laucke mit "Für alle reicht es nicht" gelungen, dieses Drama zu schreiben?

Dirk Laucke hat schon mehrere Nach-Wende-Dramen geschrieben, und ich hoffe sehr, keines davon ist ultimativ, denn dann wäre es ja sein letztes.


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