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Sieben Fragen an Elfriede Jelinek

Kalauer sind die Augenblicke der Wahrheit

jelinek1. Als Nobelpreisträgerin und dreimalige Mülheimer Dramatikerpreis-Gewinnerin wären Sie so etwas wie ein "Spiritus rector" im Feld der für die Theatertage Nominierten. Inwieweit nehmen Sie das Schaffen der übrigen Eingeladenen wahr?

Ich kann ja nicht ins Theater gehen, daher nehme ich leider das Schaffen der Kolleginnen und Kollegen kaum wahr. Ich wäre aber für jede DVD dankbar, die ich von ihnen bekommen könnte, sodaß ich ihre Arbeit wenigstens auf dem Bildschirm sehen könnte.

2. Viele Kenner der neueren Dramatik meinen, Sie hätten mit "Die Kontrakte des Kaufmanns" das Stück der Stunde geschrieben. Wie viel Realitätsgehalt braucht ein gutes Drama?

Das ist schwer zu beantworten, denn ich habe ja nie realistische Stücke geschrieben. Ich verwende die Realität als eine Art Haken, an dem ich bestimmte Ereignisse sozusagen "aufhänge", und binde das ganze dann zurück, oft an die großen antiken Stoffe, mit denen ich die Banalität der Ereignisse verknüpfe und sie damit vergrößere, damit man sie besser sieht. Was mich interessiert, ist eigentlich die Reflexion des Aktuellen durch die Medien, also die "Aufhänger" im wahrsten Sinn des Wortes. Mich beschäftigt die Realität, wie sie durch das Prisma der Medien gebrochen wird. Ich arbeite also gewissermaßen mit doppeltem Boden, mit dem Ereignis als solchem und gleichzeitig mit seiner Spiegelung im öffentlichen Bewußtsein.

3. Warum gestehen Sie Ihren Kleinanlegern
im Stück den hohen Tragödienton zu?

Das ist eins meiner Prinzipien: Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine. Die Hilflosen, Entrechteten bekommen den hohen Ton, die große Sprache, während die Mächtigen sozusagen banalisiert werden, auf ihr wahres Maß zurückgestutzt, um ihre Lügen und ihre Borniertheit deutlicher zu machen.

4. Sie werden geliebt und gehasst für Ihre Kunst des Kalauerns. Welche Bedeutung messen Sie selbst diesem Stilmittel bei?

Ich liebe den Kalauer und werde ihn niemals, niemals aufgeben! Kalauer sind die Augenblicke der Wahrheit. Wenn man lange genug auf die Sprache einprügelt, gibt sie, manchmal widerwillig, aber doch, ihre eigene Wahrheit preis, und zwar eine Wahrheit, die ihr selber innewohnt, zu innerst wohnt. Das ist übrigens eine Tradition, die viele Sprachen kennen (z.B. die puns im Englischen), und viele Autoren haben damit gearbeitet, ich denke nur an Arno Schmidt und, bis ins Äußerste getrieben, Joyce.

5. Sie planen bereits Ihr nächstes Stück über einen österreichischen Bankenskandal. Was macht eigentlich den trockenen Zahlenstoff aus dem Geldmarktsektor zu einem interessanten künstlerischen Gegenstand?

Das war eine Falschmeldung. Der österreichische Bankenskandal (betreffend die Hypo Alpe Adria-Bank) ist nur ein kleiner Teil meines neuen Stücks "Winterreise". Aber natürlich gehört es auch zu meiner Methode, dem persönlichen Erleben (in diesem Fall der Geschichte meines Vaters) allgemeine Mechanismen, in diesem Fall wirtschaftliche ("ihr Kind ist eine reiche Braut" heißt es bei Müller/Schubert) gegenüberzustellen. Im Kapitalismus produziert das Bankensystem illusorische Werte, so wie das Gesellschaftssystem die Illusion von Individualität suggeriert. Soviel zum individuellen Handeln, das es gar nicht gibt.

6. In der letzten Zeit war es meistens Nicolas Stemann, der wie ein Co-Autor Ihre Stücke uraufgeführt hat. Was mögen Sie an seiner Art, Jelinek-Texte zu inszenieren?

Ich glaube, er hat wirklich eine neue theatrale Form gefunden mit seiner Eingreiftruppe. Das Stück ist nie fertig, es entsteht, obwohl die Schauspielerinnen und Schauspieler ja ihre Texte haben, erst beim Verfertigen. Wie ein Gedanke. Diese Mischung aus gearbeitetem Text und Sponteneität ist eine gute Methode für meine Stücke. Sie nimmt ihnen auch ein wenig die Literarizität und haucht ihnen dafür Leben ein. Vielleicht kann man das so sagen. Aber man kann es natürlich auch ganz anders machen. Das ist ja das Faszinierende am Theater, daß keine zwei Vorstellungen ganz gleich sind, auch wenn eine Inszenierung sehr durchgearbeitet ist.

7. Mit welcher Figur aus der Literatur- oder Weltgeschichte würden Sie gern mal ein Bier trinken gehen?

Mit Anita Loos, glaube ich. Allerdings würde sie mich sofort unter den Tisch trinken, und so hätte ich nicht viel davon.

 

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