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Sieben Fragen an Dirk Laucke

Die Deutschen leben in gebrochenen Biographien

laucke1. Zur Wendezeit 1989 waren sie 7 Jahre alt. Inwieweit spielt Ihre ostdeutsche Biographie eine Rolle für das Nachwendestück "Für alle reicht es nicht"?

Meine Biographie spielt natürlich eine Rolle, aber das tut sie bei allen Autoren. Ich möchte hier nicht schon wieder darauf rumreiten, dass ich mit meinem Vater wie die Figur Ela im Stück in diesen NVA-Panzern saß. Oder auseinander nehmen, welche Erlebnisse im Stück ich selber oder Bekannte von mir erlebt haben. Ich glaube, das würde darauf hinaus zielen, dass ich meinem Text den authentischen Anstrich bei reiche. Das Stück spielt hier und jetzt. Und da gibt es gebrochene Biographien, weil die Deutschen in gebrochenen Biographien oder zumindest in der permanenten Präsenz ihrer eigenen Geschichte leben. Auch wenn sie vielleicht von diesem Bewusstsein weit entfernt sind. Aber die erfolgreiche Verdrängung der Vergangenheit zu Gunsten eigener Opfer- oder Wir-hams-trotzdem-geschafft-Positionen ist doch permanent da. Jedenfalls sehe ich das so. Und das hab ich in das Stück geholt.

2. Das Motto Ihres Stückes stammt von den Dead Kennedys. Welchen Einfluss hat Musik auf Ihr künstlerisches Schaffen?

Naja, ich höre gerne Musik und mit Musik zu schreiben ist für mich manchmal ein Motor, um Stimmungen zu finden. Im Text der Dead Kennedys gehts um die chinesische Mauer und übertragen aufs Jetzt sagen sies auch ganz deutlich: "There's a great wall all around the power." Und Sätze wie der halten mich manchmal eine ziemliche Zeit lang über Wasser beim Schreiben.

3. In Ihrem Stück kommt ein Schmugglerpärchen bei einem verschrobenen Panzerliebhaber unter. Woher stammt Ihr Faible für Kleinkriminelle und abseitige Träumer?

Ich habe solche Leute kennen gelernt und finde, dass deren Lebenswelt schon etwas aussagt. Und so abseitig ist das doch gar nicht. Ich weiß von drei freizeitmäßigen Panzerfahrbahnen in Deutschland, die ganz gut ausgelastet sind. Alles andere fragen Sie bitte meinen Therapeuten.

4. Im Text geben Sie regelmäßig an, wann sich Figuren ins Wort fallen sollen. Wie viel Einfluss wünschen Sie sich als Autor auf die Inszenierungen Ihrer Stücke?

Ich habe das noch nie akribisch auf Proben oder bei Aufführungen untersucht. Für mich ist dieses markierte Inswortfallen eigentlich eine Sache des Tempos und der Stimmung, die sich aus dem lesbaren Text ableiten lässt. Man checkt vielleicht, ah, jetzt sind alle ziemlich aufgebracht, ohne dass ich dazu schreiben muss, die schreien jetzt rum. Ich gebe so gut wie keine Regieanweisungen. Vielleicht ist es mir deshalb wichtig, dass sich ein Sprachgestus, eine mögliche Haltung aus solchen kleinen Tricks ergeben soll. Manchmal wird erst ein paar Repliken später klar, was eine Figur meinte, weil sie gerade z.B. "Gib her" sagte. Wenn dann ein paar Repliken später ein Gegenstand eine Rolle spielt, ist die Sache klar. Ob da jetzt dieser Gegenstand dann wirklich auf der Bühne die Seiten wechselt oder nicht, ist Sache der Inszenierung. Vielleicht lässt sich ja Dasselbe plus Mehrwert vermitteln, wenn es eben nicht der gemeinte Gegenstand ist... Meine Einflussnahme versuche ich auf den Text zu beschränken. Da versuche ich es der Inszenierung allerdings so schwer wie möglich zu machen, gegen an zu kämpfen. Aber darum gehts ja in der viel beschriebenen "Reibung" mit dem Text. Reibt euch heiß.

5. Ihre Stücke interessieren sich für die Abgehängten und Loser, sind geprägt vom Sound der Gosse. Hätten Sie auch mal Interesse, ein Stück in – sagen wir – akademischem Milieu spielen zu lassen?

Wer weiß? Vielleicht sitze ich da gerade dran, was?

6. Sie haben an der UdK Szenisches Schreiben studiert. Kann man Schreiben lernen?

Man sollte vielleicht ein paar Voraussetzungen mitbringen. Das haben die an der UdK eigentlich auch so ähnlich gesagt: Da gibt es Talent und das wird dann gefördert. Das heißt vor allem Learning by doing und viel Textarbeit an bestehenden Texten, Analysen usw. Ich glaube, wenn man das ein paar Mal geschafft hat, diese 50, 60 Seiten sinnvoll zu füllen, hat man auch nicht mehr so einen krassen Respekt davor. Geht mir jedenfalls so. Die Anstrenung ist dann, etwas anderes und wieder eigenes zu schaffen.

7. Mit welcher Figur aus der Literatur- oder Weltgeschichte würden Sie gern mal ein Bier trinken gehen?

Beate Klarsfeld.

 

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