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Publikumsgespräch zu Dirk Lauckes "Für alle reicht es nicht"

Der leise Sound der Lauckismen

von Sarah Heppekausen

30. Mai 2010. "Ich habe einen Kippenschmuggler kennengelernt." So einfach ist das mit der Grundidee zu seinem Stück "Für alle reicht es nicht". Dirk Laucke antwortet ohne große Umschweife. Direkt, alltagsnah, aber niemals laut. Eher zurückhaltend. Manchmal reicht ihm auch ein Achselzucken als Kommentar. Und dann zieht er die Augenbrauen hoch und die Lider weit auf, als könne er so mehr mitbekommen von den Zwischentönen dieser Welt, die ihn umgibt.

Ans Mikro tastet er sich vorsichtig heran, wie einer, den die Verstärkung schreckt. Mit seinen Texten spürt er der Realität nach, mehr nicht. Dafür spricht der Kippenschmuggler, der während des Publikumsgesprächs noch einmal als Erklärung reichen muss – als Antwort auf die Frage, ob seine Figur Jo nicht nur klischeebeladen sei: "Naja, ich habe einen westdeutschen Kippenschmuggler an der ostdeutschen Grenze kennengelernt." Dafür spricht auch Lauckes knappe Anmerkung zum Wolf, der im Stück vom NVA-Veteran Heiner angeschossen wird. "Das Stück spielt an der deutsch-tschechischen Grenze, und da gibt es Wölfe." Weitere Interpretationen überlässt er lieber dem Zuschauer.

Das Ohr am Prekariat

Der 27-jährige Autor, der 2007 schon einmal mit "alter ford escort dunkelblau" nach Mülheim eingeladen war, sieht sich selbst als Hersteller oder Lieferant eines "Kunstprodukts". "Ich mache nur meinen Job. Wenn Zuschauer dann ins Nachdenken geraten, ist das sehr gut." Ein Gast hakt nach: "Aber Sie wollen doch nicht nur gefallen?" Laucke: "Nee. Ich mache Stücke, die mir gefallen, die mich interessieren." In diesem Fall gehe es ihm um den Zusammenhang zwischen der Wende und dem aktuellen Umgang mit Flüchtlingen. Um den Umgang der Deutschen mit sich selber und mit anderen. Natürlich steckten auch biografische Bezüge im Stück, antwortet Laucke, der in Halle/Saale aufwuchs, einem Zuschauer. "Mein Vater war Panzerfahrer." Und Moderator Gerhard Jörder fügt noch hinzu: "Und Sie waren auch Pionier."

Lauckes Sprache beschreibt Regisseurin Sandra Strunz als Kunstsprache "zwischen Ostproll und Lauckismen". Jörder meint, der Autor sei jemand, der die Prekariatssprache vernehme, der eher von der konkreten Erfahrung, denn von der politischen Theorie herkomme. Mit dieser Zuschreibung ist Laucke nicht zufrieden. Das ist allerdings mehr zu spüren als zu hören. Sein Protest ist ein leiser. "Ich kann sagen, dass ich schon versuche, mich mit politischer Theorie zu beschäftigen." Etwas später widersetzt sich Laucke noch einmal, diesmal einer Aussage der Regisseurin, aber wieder sehr vorsichtig. Das Stück habe Laucke noch während der Proben geschrieben, sie hätten immer wieder etwas geändert. "Wobei es doch schon relativ weit war am Anfang", meint Laucke. Und schiebt noch ein verhaltenes "oder?" hinterher.

Politische Theorie mit Bauchgefühl

Unsicher wirkt der 27-Jährige trotzdem nicht. Eher wie einer, der lieber beobachtet als eine Platzhirsch-Position zu behaupten. Auch auf Jörders Frage, ob das Theater sich zurzeit politisiere, will Laucke keine eindeutige Antwort geben. "Ich weiß es nicht, ich gehe nicht so viel ins Theater." Er versuche, nicht in diesen Sumpf aus "wer hat was mit wem, wer kann nicht mit wem" reingezogen zu werden, erklärt er und bringt das Publikum zum Lachen. "Die Probleme würden mich auffressen. Ich hätte nichts mehr zu schreiben, oder müsste dann übers Theater schreiben." Ein Zuschauer will wissen, ob er auch keine Stücke lese? "Nicht so viele", aber das Jelinek-Stück würde ihn interessieren. Vielleicht könne ihm das mal jemand zukommen lassen.

Die Ehrlichkeit des Autors ist so unaufgesetzt wie die seiner Figuren. Schauspielerin Cathleen Baumann mag die "Kodderschnauze" der Anna. Und lässt sogleich ein schnodderiges "Hä, hä, hä" wie zur Bestätigung ihrer Alltagstauglichkeit folgen. Thomas Eisen (Jo) berührt vor allem die Zärtlichkeit in der Beziehung von Jo und Anna. Viel mehr als "das Ost-West-Ding". Ein Zuschauer freut sich über Jos politischen Traum, dass in Europa alle Grenzen fallen. "Schön, dass das im Theater mal zum Thema geworden ist." Aber die Vision sei doch total übersteigert, entgegnet Laucke. Einige Zeit vorher hat er gesagt, dass man keiner Utopie mehr einfach so hinterher rennen könne.

Laucke mischt sich lieber mit seinen Stücken als mit langen Redebeiträgen ein. Aber die Vermutung, dass er sich nicht mit politischer Theorie beschäftige, nimmt Jörder am Schluss ausdrücklich zurück.


Mehr zu Dirk Laucke. Hier gibt's außerdem den Shorty zum Mülheim-Gastspiel.

 

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