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Der Shorty 5 – zu Dea Lohers "Diebe"

Abziehbilder der Wehklage

von Christian Rakow

28. Mai 2010. Ach, die Fremdsprachen: "Holländisch kann nicht so schwer sein." Denn "das klingt eher nach nem Dialekt. Oder nich. So ein ... wie Plattdeutsch." Herzhafte Lacher erfüllen den Saal. Recht so! Kurz vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft 2010 darf man Witzchen auf Kosten unserer lieben Nachbarn ruhig wieder auspacken. Dea Loher tut's und erwärmt damit unsere schwarzrotgoldenen Herzen.

Überhaupt steckt dieser Abend voller crowd-pleaser, zumindest in der ersten Hälfte. Da zirkelt Daniel Hoevels einen schneidig-humorigen Polizeiwachtmeister mit angeklebtem Schnauzer ins Revier. Da trollen und prollen sich Susanne Wolff und Olivia Gräser als Ladies aus einem Secondhand-Handel mit breitem Berlinerisch übers Parkett. Oder Bernd Moss und Katrin Klein setzen ihren biedermännischen Eheleuten Schmitt eine besonders selbstentlarvende My-home-is-my-castle-Fratze auf.

Wahrlich, Andreas Kriegenburg hat mit seiner Uraufführung von "Diebe" ein schonungsloses, teils krachledern grell gezeichnetes Comedy-Festival auf das imposante Schaufelrad gepackt, das jedem Boulevardtheater bestens zu Gesicht stünde. Der verdiente Lohn: Anschwellender Szenenapplaus für nahezu jede Einlage.

Nach der Pause müssen dann allerdings die Früchte des Loher'schen Realismus eingefahren werden, die unterwegs fast liegen geblieben wären. Also wechselt die Musik von lässigem 50er Jahre Swing in den gedämpften Minimalismus eines Philip Glass, und wir erblicken vollends das Leben, wie es – nach Aussage der Autorin beim Publikumsgespräch – "so ist": Einen Selbstmord durch Fenstersturz, einen Kopfschuss für die arbeitslose Freundin des Polizisten, einen Mordversuch im Wald, eine Ermordung eines Eindringlings im Hause des erwähnten Biederpärchens Schmitt (mit Hammer und Pfanne).

Gar nicht zu reden von den Verwicklungen um die schwangere Mira: Selbst Frucht einer anonymen Samenspende, gerät sie im Krankenhaus just an eben diesen Samenspendervater, den Arzt Herrn Schmitt. Dieser wiederum hat zuvor den Vater ihres Kindes erschlagen, der treffenderweise Bestatter war und Erbarmen hieß. Wie das Leben eben so spielt.

Wenn das alles noch im Modus des Slapsticks ablaufen würde, hätte man ja nichts einzuwenden. Aber mit diesen Abziehbildern der Wehklage meint es die Autorin tatsächlich ernst. Und Kriegenburgs Regie unterstreicht sie entsprechend durch innig empfundenes Pathos und zunehmend emphatisches Schreien und Schubsen unter den Figuren. Die Wucht des Schicksalhaften, die Wucht Realen möchte auch uns treffen. Allein, sie fühlt sich an wie ein Schlag mit der Bratpfanne.

 

Hier lesen Sie die Nachtkritik und Kritikenrundschau zur Uraufführung in Berlin. Den Text von Dea Loher hat Petra Kohse in ihrem Stückporträt näher unter die Lupe genommen. Und hier berichten wir vom Publikumsgespräch.

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