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Sieben Fragen an ...

Wolfgang Kralicek

 

Wolfgang Kralicek, Wien

Geboren 1965. Studium der Theaterwissenschaft und Publizistik. Seit 1995 Kulturredakteur und Theaterkritiker der Wiener Stadtzeitung "Falter". 2001 Ko-Juror der Hamburger Autorentheatertage (Thalia Theater). 1992–1995 und 2002–2005 Juror beim Berliner Theatertreffen.

1. Nis-Momme Stockmanns Protagonist attackiert den Theaterbetrieb: überall sei "Terror, Islam, Nazis, Terror", sprich "Bedeutsamkeit! Bedeutsamkeit!" gefordert. Es fehle am Gespür für das Gewöhnliche. Inwieweit stimmt seine Diagnose des Betriebs?

Hier irrt der Autor. Bester Gegenbeweis dafür ist die Einladung von "Kein Schiff wird kommen" nach Mülheim.

2. Kathrin Rögglas "Die Beteiligten" seziert die Wirkungsweisen der Massenmedien anlässlich des Falles "Natascha Kampusch". Was macht den Transport dieses Stoffes ins alte Medium Theater spannend?

Die Frage impliziert auch schon die Antwort: Indem das "alte" Medium Theater die Sprache der "neuen" Medien aufgreift, macht es diese auf neue, überraschende, entlarvende Weise sichtbar. Siehe dazu auch Jelinek, Elfriede.

3. Elfriede Jelineks Geldmarktstück "Kontrakte des Kaufmanns" wird seit seiner Uraufführung im April 2009 als Text der Stunde gefeiert. Wieso ist es das einzige Stück zur Finanzkrise auf dem Tableau der diesjährigen Mülheimer Theatertage?

Weil es das beste ist.

4. Mit Autoren wie Dea Loher setzt sich immer stärker das Erzählen auf der Bühne durch, der Dialog tritt zurück. Welche theatrale Leistungsfähigkeit besitzt die Episierung?

So kann man das nicht sagen. Jelinek und Röggla schreiben keine Dialoge und erzählen trotzdem nicht, während Loher zwar erzählt, aber durchaus auch Dialoge baut. Grundsätzlich darf man auf der Bühne sowieso alles. Wenn man es kann.

5. Roland Schimmelpfennig setzt als Regisseur sein eigenes Stück "Der goldene Drache" um. Inwieweit erweisen sich die Regisseure der eingeladenen Uraufführungen als Co-Autoren der Stücke?

Abgesehen von Schimmelpfennig, wo die Co-Autorenschaft ja auf der Hand liegt, würde ich auch bei Nicolas Stemann ("Die Kontrakte des Kaufmanns") und Stephan Rottkamp ("Die Beteiligten") zumindest von einem prägenden Regiezugriff sprechen.

6. Ewald Palmetshofer greift nach "hamlet ist tot" mit "faust hat hunger" zum zweiten Mal auf einen klassischen Stoff zurück. Wie viel literarisches Traditionsbewusstsein braucht es, um sich als moderner Autor durchzusetzen?

Erstens beschränkte sich der Rückriff bei "hamlet ist tot" auf den Titel, und zweitens sollte jeder Autor schon wissen, auf welcher Basis er schreibt. Aber einen neuen "Faust" sollte man nur schreiben, wenn man so talentiert ist wie Palmetshofer. Und so gute Titel macht wie er.

7. Nis-Momme Stockmanns Protagonist scheitert an dem Stückauftrag, das ultimative Nach-Wende-Drama zu schreiben. Inwiefern ist es Dirk Laucke mit "Für alle reicht es nicht" gelungen, dieses Drama zu schreiben?

Der Versuch, ein ultimatives Stück zu schreiben, muss scheitern. Aber ich finde Lauckes Stück durchaus gelungen!

 

Hier antworten die übrigen Mitglieder des Auswahlgremiums

 

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